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Bei uns sind Alte willkommen!

oder: Wie entwickeln Vereine ein seniorenfreundliches Profil?

30cDie demographischen Veränderungen werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten dazu führen, dass Turn- und Sportvereine im Durchschnitt ein Drittel der bisherigen Kinder und Jugendlichen und ein Drittel seiner erwachsenen Mitglieder verlieren. Der Anteil der älteren Mitglieder in den Vereinen wird deutlich ansteigen. Um den demographisch bedingten Mitgliederverlust bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen etwas abzumildern, bietet sich eine Zielgruppe besonders an – die älteren Menschen, und zwar vor allem die bisherigen Nicht-Beweger. Wie können sich Vereine auf die Veränderungen der Bevölkerungsstruktur einstellen? Welche Maßnahmen und Aktivitäten sind erfolgsversprechend, um ältere Neueinsteiger für den Verein zu akquirieren und wie könnte man solche Veränderungen angehen? Die folgenden Botschaften sollen Ansatzpunkte für eine seniorenfreundliche Ausrichtung des Vereinsprofils liefern:

 

12 Botschaften zur Entwicklung eines seniorenfreundlichen Vereinsprofils

03Botschaft 1: Stellen Sie sich auf die demographischen Veränderungen ein – am besten sofort!
Je früher Sie sich mit den Auswirkungen der demographischen Umwälzung auf Ihren Verein auseinandersetzen, umso besser. So haben Sie ausreichend Zeit, Maßnahmen und Aktivitäten zu initiieren, um sich auf diese Zielgruppe einzustellen, um passgenaue Angebote zu entwickeln und ein Vereinsklima zu generieren, dass allen älteren Menschen deutlich macht: DU bist hier herzlich willkommen! Wir freuen uns auf DICH! Wir machen DIR Bewegungsangebote, die dir gefallen werden.

Botschaft 2: Erweitern Sie Ihr Angebot für die Zielgruppe der älteren Menschen!
Wenn Sie bisher kein Bewegungsangebot für ältere Menschen machen, organisieren Sie am besten sofort ein solches. Werben Sie dafür! Wenn Sie bisher wenige Angebote für diese Zielgruppe machen, bauen Sie die Angebotspalette gezielt aus. Der Bedarf ist jetzt schon groß, er wird weiterhin massiv ansteigen.

Botschaft 3: Bedenken Sie die Heterogenität der Älteren!
Die Phase des Alters umfasst heute bis zu 50 Jahre. Entsprechend heterogen sind die alten Menschen und entsprechend heterogen sind auch ihre Wünsche und Bedürfnisse. Die jungen Alten interessieren sich für Fitnesskurse. Sie wollen fit und schlank sein und etwas für ihre Gesundheit tun. Die Älteren mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen (Rückenschmerzen, Gelenkprobleme, Sturzrisiko, Gedächtnisbeinträchtigung) möchten ein passgenaues Bewegungsangebot, das hilft, mit Schmerzen und Beeinträchtigungen besser klarzukommen. Sehr alte Menschen brauchen Programme, die die körperlichen Funktionen für eine selbständige Alltagsbewältigung erhalten und Pflegebedürftigkeit verhindern oder zeitlich verschieben. Optimal ist es, wenn Sie für alle drei Zielgruppen Angebote machen können. Bieten Sie nicht nur übergeordnete Bewegungsgruppen für ältere Menschen an sondern auch themenspezifische Gruppen, z.B. In Balance bleiben, Fit im Kopf, Gelenktraining, Walking, Pilates für stabile Knochen, …

Botschaft 4: Entwickeln Sie innovative Angebote!
Denken Sie ruhig auch mal an ungewöhnliche innovative Angebote für ältere Menschen. Wie wäre es mit der Einrichtung einer regelmäßig stattfindenden Spaziergeh-Gruppe, die sich in Alltagskleidung zwei Mal pro Woche trifft? Die Belastung des Spazierengehens reicht für die meisten hochaltrigen Menschen aus, um die Gehfähigkeit und damit die Mobilität zu erhalten. Sie brauchen nur eine Strecke, die auch für Menschen mit Stock und Rollator begehbar ist und eine Betreuungsperson, die auf die schwachen und langsamen Teilnehmer achtet.

42Botschaft 5: Initiieren Sie Kurse für ältere Neu- und Wiedereinsteiger!
Versuchen Sie vorrangig auch die Älteren zu erreichen, die bisher keinen Sport treiben! Entwickeln Sie dazu geeignete Strategien (Schnupperangebote, niedrigschwellige Angebote, wie Spaziergeh-Gruppen, Kurse, …) und setzten sie diese sofort um. Diese Neueinsteiger-Kurse müssen dann aber auch in Dauerangeboten weitergeführt werden. Sonst springen die Menschen wieder ab!

Botschaft 6: Werben Sie klug für neue Angebote!
Werben Sie für neue, aber auch für bestehende Bewegungsangebote mit ihrer Leistung, die Sie für die Gesellschaft erbringen und mit den Effekten, die das Training hat. Zum Beispiel, wenn Sie durch Ihr Engagement Stürze verhindern, Pflegebedürftigkeit verschieben, das Demenzrisiko der Teilnehmer verringern, …

Botschaft 7: Engagieren Sie sich für hochaltrige Menschen!
Heute sind etwa 4 Millionen Menschen in Deutschland älter als 80 Jahre. In ein paar Jahrzehnten werden es 10 Millionen sein. Die Anzahl der hochaltrigen Menschen wird um 150 Prozent steigen. Nutzen Sie dieses riesige Mitgliederpotential und schaffen Sie Bewegungsangebote, die den sehr alten Menschen helfen, länger mobil, standfest und selbständig zu bleiben.

Botschaft 8: Fördern Sie das Miteinander und die Gemeinschaft!
Das Schlaraffenland ist abgebrannt! Unsere Gesellschaft wird ärmer und in der Folge müssen wir näher zusammenrücken, um sicher und zufrieden leben zu können. Gestalten Sie diesen Prozess aktiv mit: Organisieren Sie vielfältige Treff-, Austausch- und Kommunikationsmöglichkeiten, bei denen sich ältere Menschen sich treffen, austauschen und etwas miteinander erleben oder lernen können. Genauso wichtig ist es aber auch, dass die Älteren sich als Teil einer Mehrgenerationengemeinschaft erleben.

Botschaft 9: Gehen Sie aktiv auf Kooperationspartner zu!
In Zeiten knapper werdender Ressourcen sind wir wieder mehr auf Andere angewiesen. Kooperieren Sie mit der Kommune, mit Senioren-, Gesundheits-, Sozialverbänden, mit Mehrgenerationenhäusern, Bürgertreffs, kommunalen und kirchlichen Seniorentreffs. Besonders sinnvoll sind Kooperationen mit Partnern, die einen direkten persönlichen Kontakt zu alten Menschen haben, die noch zu Hause leben, zum Beispiel Ambulante Pflegedienste oder Einrichtungen für Betreutes Wohnen. Gehen sie aktiv auf andere zu, bilden Sie Koalitionen und seien Sie kooperationsfähig! Bauen Sie Netzwerke! Das könnte auch Ihr Hallenproblem lösen.

70Botschaft 10: Bringen Sie sich aktiv in die Politik ein!
Knüpfen Sie politische Netzwerke, um Ihre Interessen zu vertreten. Bilden Sie Meinungen! Gestalten sie aktiv mit! Kommen Sie mit Politikern ins Gespräch und arbeiten Sie an Gestaltungsprozessen aktiv mit!

Botschaft 11: Qualifizieren Sie Ihre Übungsleiter!
Es ist wichtig, qualifizierte Übungsleiter für die Zielgruppe der Älteren einzusetzen. Überzeugen Sie Ihre Übungsleiter, eine Ausbildung zu absolvieren, falls dies bisher nicht der Fall ist. Unterstützen Sie ihre Übungsleiter dabei, sich fortzubilden. Meist bringen die Übungsleiter von den Fortbildungen viele neue Ideen – auch für neue Kurse oder Gruppen – mit. Nutzen Sie diese Innovationskraft Ihrer Übungsleiter für die Gesamtentwicklung Ihres Vereins. Werben Sie auch neue Übungsleiter. Zum Beispiel bei engagierten Teilnehmern aus Altenclubs, Sozialverbänden, Kirchengemeinden, …

Botschaft 12: Benennen Sie einen Seniorenberater!
Ein Seniorenberater kümmert sich aktiv um die Belange der älteren Vereinsmitglieder. Er sorgt dafür, dass die Senioren sich im Verein wohl und erwünscht fühlen. Er ist Programmgestalter, Freizeitberater, Informationsgeber, Impulsgeber, Vernetzer, Kontaktpfleger und Organisator.

 

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