Die demographische Entwicklung wird die gesellschaftlichen Strukturen verändern – und selbstverständlich auch die Vereinswelt. Die Veränderungen haben bereits begonnen und sie werden sich weiter fortsetzen. In Rheinland-Pfalz wird es einen deutlichen Rückgang an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (bis 50 Jahren) geben. Im Schnitt werden beispielsweise in Rheinhessen bis zum Jahr 2050 etwa ein Drittel weniger Kinder, Jugendliche und Erwachsene im mittleren Lebensalter leben. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Menschen über 65 Jahren deutlich an. Insbesondere steigt die Anzahl hochaltriger Menschen über 80 Jahren – um 162 % bis zum Jahr 2050.

Klar ist: Die Veränderung der gesellschaftlichen Altersstruktur wird deutliche Auswirkungen auf die Mitgliederstruktur in den Turn- und Sportvereinen haben. Die DOSB-Bestandserhebung von 2009 zeigt schon heute, dass die Mitgliederzu- und Abgänge in den verschiedenen Altersgruppen fast exakt die demografische Entwicklung in Deutschland widerspiegeln. Das bedeutet: Im Durchschnitt wird jeder einzelne Turnverein oder jede einzelne Turnabteilung bereits in einigen Jahren ein Drittel weniger Kinder aufzuweisen haben als bisher und genauso auch ein Drittel weniger junge Erwachsene.
Wer die Älteren nicht bindet, muss mit sinkenden Mitgliedszahlen rechnen
Ein Problem des gesamten organisierten Sports besteht darin, dass der Organisationsgrad der älteren Menschen, also der Anteil der in einem Sportverein aktiven Älteren, zurzeit noch relativ gering ist. Nur 26 % aller Männer und 13 % aller Frauen über 60 Jahren sind Mitglied in einem Sportverein. Auf den Punkt gebracht bedeutet das: Ohne eine stärkere Bindung der Älteren an den Vereinssport werden Vereine aufgrund der demografischen Entwicklung die Mitgliedszahlen in Zukunft nicht halten können. Hier ist ein riesiger Nachholbedarf! Und hier entscheidet sich die Zukunft vieler Vereine!
Herausforderung: Neue Alte gewinnen!
Es ist also nicht nur wichtig, die älteren Menschen, die schon Vereinsmitglied sind, zu halten, sondern es muss in den nächsten Jahren verstärkt darum gehen, neue Alte für den Verein zu gewinnen. Ansonsten drohen aufgrund der demografischen Veränderungen Mitgliederverluste!
Es ist eine große Herausforderung, die alten Menschen für den Vereinssport zu gewinnen, die bisher keinen Sport getrieben haben. Denn die Hürden, im Alter noch einmal mit etwas völlig Neuem zu beginnen, sind hoch. Die Angst, nicht gut genug zu sein oder sich vor Anderen zu blamieren, ist groß. Der Sportverein ist für viele Ältere immer noch ein Ort ausschließlich für fitte und leistungsorientierte Senioren. Hier gilt es Vorurteile abzubauen. Gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme, die Körper und Geist funktionsfähig erhalten, können aber auch diesen Menschen die Botschaft vermitteln: Der Turnverein ist sogar in ganz besonderem Maße auch für die Menschen da, die nicht mehr fit, jung und leistungsfähig sind – denn gerade die brauchen Bewegung ganz besonders!
Ältere Menschen gewinnt man oft nicht mit den üblichen Maßnahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, wie zum Beispiel mit einer Pressemeldung in der Zeitung, einem gedruckten Vereinsprogramm oder einem Tag der offenen Tür. Es müssen Strategien entwickelt werden, die Menschen direkt damit anzusprechen, wo sie Probleme haben und wo Bewegung diese Probleme lösen kann.
Beispiele sind: Sturzprophylaxe-Training, Fitness fürs Gehirn, Körper in Balance, gemeinsames Spazieren gehen am Morgen. Wenn Fitness, Wellness und allgemeine Gesundheitsförderung als Motive des aktiven Sporttreibens mit Überschreiten des 70. Lebensjahres, verstärkt mit Überschreiten des 75. oder auch 80. Lebensjahres, allmählich in den Hintergrund treten, gewinnen Aspekte wie Sturz- oder Demenzprävention sprunghaft an Relevanz. Solche Angebote, die dem Körper und der Seele gut tun, die die Gesundheit fördern, Stürze verhindern und die notwendige Fitness für den Alltag und damit die Selbständigkeit erhalten, sprechen sich herum und werden – wenn sie gut gemacht sind und zusätzlich die Sozialkontakte untereinander fördern – auf Dauer zum Erfolg eines Vereins beitragen.
Die rheinland-pfälzischen Turnverbände nehmen die Herausforderung an
Die rheinland-pfälzischen Turnverbände und deren Turngaue nehmen diese Herausforderung an. Sie sind bestrebt, neue Wege zu gehen, um mehr Ältere für die Vereine zu gewinnen. Sie haben gemeinsam beschlossen, mit Beginn des Jahres 2012 die Kampagne „Aktiv älter werden in Rheinland-Pfalz“ durchzuführen. Mithilfe eines Maßnahmenbündels sollen mehr ältere Menschen für die rheinland-pfälzischen Turn- und Sportvereine gewonnen werden. Inaktive ältere Menschen sollen wohnortnah in Bewegung gebracht werden. Das Vereinsangebot für diese Zielgruppe soll umfangreicher und differenzierter werden. Dazu wird es eine zielgerichtete Weiterentwicklung der Qualifizierungsmaßnahmen für Übungsleiter geben. Außerdem werden neue inhaltliche Programme, die speziell auf diese Zielgruppe zugeschnitten sind, wie zum Beispiel Bewegungsprogramme zur Demenzprophylaxe. gemeinsam mit dem Deutschen Turner-Bund entwickelt und weitervermittelt.
- Kongress „Aktiv älter werden“ “ am 17.-18. März 2012 in Mainz
- Weiterbildung „Gehirntraining durch Bewegung“ am 15.-16. September 2012 in Mainz












